Nach wechselvollen Jahren und einer schädlingsbedingten Vernichtung fast des gesamten Bestandes an Weinreben gelang der mallorquinischen Landwirtschaft Ende des
19. Jahrhunderts eine devisenbringende Umstellung auf
Mandelbaumpflanzungen und Intensivierung der Obst- und Olivenernten.
Mit der wirtschaftlichen Erholung einhergehend begann langsam der
Tourismus, zunächst überwiegend vom eigenen Festland und aus Großbritannien, aber in den
20er- und 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts in wachsendem Umfang auch aus anderen Ländern.
Nachdem der 1. Weltkrieg auf Mallorca kaum Spuren hinterlassen hatte, sieht man ab von den schönen Gewinnen, die dem Mallorquiner Juan March aus Geschäften mit allen kriegführenden Mächten zugeflossen waren, unterbrachen der spanische Bürgerkrieg und der nach dessen Ende bald beginnende
2. Weltkrieg vorübergehend die sich anbahnende Entwicklung der Insel.
Mallorca war im Bürgerkrieg überwiegend pro Franco, dessen militärische Aktionen in großem Umfang von Juan March finanziert wurden.
Kämpfe zwischen Republikanern und Faschisten flackerten nur relativ kurz auf, führten aber zu erheblichen Zerstörungen und Opfern.
Die offene Sympathie Francos für die deutsch-italienische Allianz bei gleichzeitig offizieller Neutralität Spaniens ließ Mallorca im 2. Weltkrieg eine kleine Nebenrolle als geheimer Anlaufpunkt angeschlagener deutscher Schiffe und Flugzeuge spielen.
Ansonsten blieb die Insel von kriegerischen Handlungen weitgehend unberührt.
Ein Kennzeichen der Franco Ära war die rigide Ausrichtung von Gesellschaft und Staat auf die Zentralgewalt in Madrid.
Regionale Interessen und Bestrebungen wurden unterdrückt. Dazu gehörte auch das Verbot der vom Kastilischen (Castellano, der offiziellen Nationalsprache) abweichenden Regionalsprachen.
Für Mallorca bedeutete dies die Eliminierung des
Mallorquín, einer »Abart« des katalanischen Spanisch (Bereich um Barcelona), das
1229 mit der Eroberung durch Jaume I. auf die Insel gekommen war und sich danach separat weiterentwickelt hatte, aus dem öffentlichen Leben.
Da der entscheidende Aufschwung des Tourismus in den letzten 15 Jahren der Franco-Periode erfolgte, wurde Mallorcas eigenständige Sprache und die darauf basierende Kultur von den zahlreichen Besuchern lange Zeit kaum wahrgenommen.
Vielmehr erschienen die Balearen auch sprachlich als ein integraler Teil Spaniens.
Ein anderer Aspekt bezog sich auf die Voraussetzung für die Expansion des
Tourismus: die Stabilität des faschistischtotalitären Regimes förderte die Investitionsbereitschaft ausländischen Kapitals in mallorquinische Renditeobjekte.
Aber auch nach dem Tode Francos
1975 und dem Übergang zu einer – nach Jahren der Sozialdemokratie
seit Mai 1996 konservativ geführten – Demokratie unter der Verfassung der konstitutionellen Monarchie änderte sich nichts am einmal eingeschlagenen Weg einer expansionistischen Fremdenverkehrspolitik.
Im Gegenteil: mit der politischen Konsolidierung der neuen, nunmehr föderalistisch geprägten Staatsform boomte
in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts das touristisch orientierte
Immobilien- und Baugewerbe auf Mallorca wie selten zuvor.
Erst neuerdings beginnen von der Inselregierung erlassene Baustopps die Schaffung weiterer Urbanisationen und Bettenburgen zu bremsen.
Die Balearen erlangten
1983, wie davor bereits die meisten anderen Regionen Spaniens, einen Autonomiestatus vergleichbar dem deutscher Bundesländer.
Die Regionalregierung besitzt seither Kompetenzen, über die eigene Verwaltungsorgane der Balearen seit 1349 (siehe
Absatz Jaume III.) nicht mehr verfügten.
Offenbar wird dieser Umstand unter anderem an der »Wiedergeburt« der insularen Kultur und
Sprache.
Das
Mallorquín ist heute vor dem hochspanischen Castellano offiziell erste Sprache und hat z.B. in Amtsstuben das Spanische faktisch verdrängt.
An den
Schulen wird verstärkt Mallorquín bzw. Catalán unterrichtet.